Koordination: Markus Egg (Heidelberg), Michaele Herweg (Heidelberg), Manfred Pinkal (Saarbrücken)
Die Bandbreite der Vorträge in dieser AG deckte den weiten Bereich der Lexikalischen Semantik in der Computerlinguistik ab. So standen neben Beiträgen, die konkrete, implementierte Anwendungen der Lexikalischen Semantik präsentierten, auch Vorträge, die Verfahren und Techniken zur Integration lingustischer Theoriebildung im Bereich der Lexikalischen Semantik in die Computerlinguistik vorstellten, oder Präsentationen, die sich auf einer allgemeineren Ebene mit Theorien der Lexikalischen Semantik auseinandersetzten. Im einzelnen wurden folgende Vorträge gehalten:
Steve Abney (Universität Tübingen) berichtete in seinem Vortrag Induction of Lexical Semantics from Corpora über die automatische Extraktion semantischer Information aus großen Textkorpora unter Zuhilfenahme von WordNet. Im Zentrum der Präsentation stand dabei die Gewinnung von Selektionsrestriktionen.
Johan Bos und Karsten Worm (Universität des Saarlandes) stellten in ihrem Vortrag Lexikalisch-semantische Klassifikation und ihre Anwendung in der Sprachverarbeitung ein Schema zur Klassifikation lexikalischer Einheiten vor. Das Schema ist zugeschnitten auf die Entwicklung großer sprachverarbeitender Systeme, die auf lexikonbasierten Grammatiktheorien fußen und wurde im Verbmobil-System für die Beschreibung des deutschen und des japanischen Vokabulars verwendet.
Peter Bosch (IBM Heidelberg) setzte sich in seinem Vortrag Zur Dynamik kontextueller Konzepte mit der Theorie des Generativen Lexikons auseinander. Er plädierte dafür, polyseme Verwendungen von Lexemen nicht allein unter Bezug auf die Qualia-Struktur zu beschreiben, sondern die Theorie der Qualia in einen umfassenderen Rahmen einzubetten, der neben stärker konventionalisierten, charakteristischerweise durch Qualia erklärbaren polysemen Verwendungen von Lexemen auch okkasionelle, nur unter Rückgriff auf den Kontext verständliche Verwendungen erfassen kann.
Kurt Eberle (IBM Heidelberg) präsentierte in seinem Vortrag Zur unterspezifizierten Repräsentation verschiedener Typen von Mehrdeutigkeiten - lexikonbasiert ein revidiertes und erweitertes Format zur Unterspezifikation von Diskursrepräsentationen, das auf Reyles UDRT basiert. Dieses Format ermöglicht eine adäquate unterspezifizierte Darstellung für eine Reihe sprachlicher Mehrdeutigkeiten, z.B. für den relativen Skopus von Kennzeichnungen, quantifizierenden Ausdrucken, und modalen Operatoren, oder für die Alternative zwischen distributiver und kollektiver Lesart.
Jon Atle Gulla und Lars Hellan (Universität Trondheim) stellten in ihrem Vortrag Sign Expansion Theory eine dynamische Theorie des Lexikons vor, in der aus einer Menge kleinster bedeutungstragender lexikalischer Einheiten ("Kernrepräsentation"; Kernbedeutung und phonologische Repräsentation) durch die Operation der "Zeichenexpansion" zu "Erweiterten Repräsentationen" erweitert werden können. Aus letzteren können dann durch die sog. "Zeichenkombination" neue, komplexe Einheiten erzeugt werden. Die Theorie wurde illustriert anhand der Verben "to run" und "to throw", in Kombination mit ihren NP-Argumenten und PPs mit der Präposition "out".
Walter Kasper (DFKI Saarbrücken) diskutierte in seinem Vortrag Modellierung lexikalischer Relationen in typisierten Merkmalsformalismen, wie traditionelle lexikalische Relationen im Rahmen typisierter Merkmalsformalismen ausgedrückt werden können. Der Schwerpunkt des Vortrags lag neben den syntagmatischen Relationen auf den paradigmatischen Relationen, durch die syntaktisch gleichartige Wortklassen semantisch differenziert werden. Als Beispiele dienten Ausschnitte des relational strukturierten Lexikons des WordNet-Systems.
Petra Ludewig (Universität Osnabrück) präsentierte in ihrem Vortrag Zur Integrierbarkeit lexikalischer Bedeutungsspezifikationen Strukturen und Verfahren, die im DFG-Projekt "Dynamische LKB (Lexical Knowledge Base)" entwickelt wurden, um kompatible Informationen unterschiedlicher lexikalischer Ressourcen gemeinsam nutzen und zueinander inkompatible Informationen getrennt halten zu können. Damit können für realistische Evaluationen oder Anwendungen lexikalischer Theorien die entsprechend großen Lexika in der üblichen Weise (durch Integration oder Wiederverwertung anderer Lexika) erzeugt werden. Einige Probleme der Standardisierung von Lexika lassen sich so vermeiden.
James Pustejovsky diskutierte in seinem Vortrag Decomposition and Representation in Semantic Theory, welche Konsequenzen aus seiner Theorie des Generativen Lexikons, insbesondere aus der Theorie der Qualia-Struktur, für semantische Ansätze folgen, die Lexeme in kleinere semantische Einheiten zu dekomponieren. Er zeigte, daß sich Dekomposition in vielen Fällen im Rahmen der Qualia-Struktur der involvierten Lexeme erfassen läßt.
Wojciech Skut (Universität des Saarlandes) beschäftigte sich in seinem Vortrag Constraintbasierte Repräsentation von Nominalphrasensemantik mit Aspekten der Ambiguität in der NP-Semantik. Es gilt, im Rahmen eines unterspezifikationsbasierten Repräsentationsformalismus das - syntaktisch nur wenig eingeschränkte - Ambiguitätspotential der NP-Semantik korrekt zu repräsentieren und zugleich eine effiziente Disambiguierung durch monotones Hinzufügen von Information (vor allem aus dem Weltwissen) zu ermöglichen.
Suzanne Wolting legte in ihrem Vortrag Die formale Repräsentation von Mehrdeutigkeit im Kontext lokaler Verben dar, wie im Rahmen eines typisierten und unifikationsbasierten Ansatzes (implementiert in ALE) durch die Kodierung semantischer Klassen im Lexikon das Subkategorisierungsverhalten von Verbargumentstrukturen adäquat beschrieben und vorhergesagt werden kann. Als Beispielanalyse wurden Argumentstrukturen deutscher lokaler Verben und die von diesen subkategorisierten PP-Argumente untersucht.