From Karola Pitsch: From KPITSCH@Geschichte.Uni-Bielefeld.DE Thu Nov 16 12:40:24 1995 Zu Ihrer Folie "Syntagmatische Relationen: phonologische Beispiele" habe ich eine Frage. Was bedeuten die Abkuerzungen "Si", "An", "Re", "Gi", "Ko" in dem dargestellten Modell? Ist es richtig, dass "C" und "V" fuer Konsonant bzw. Vokal stehen? Eine weitere Frage habe ich zum Thema "Minimalpaar". In der Schule wurden Minimalpaare so definiert, dass sich z.B. Konsonsanten nur in einem Merkmal unterscheiden durften; also entweder in Artikulationsort oder Artikulationsart oder der Stimmhaftigkeit. Dieses entspricht der Definition aus dem Buch: Bergmann, Rolf; Pauly, Peter: Neuhochdeutsch. Arbeitsbuch zum linguistischen Unterricht, Goettingen 1971. In meinen Begleitseminaren (Deutsch und Franzoesisch) wurden Minimalpaare jetzt jedoch als "Paare von bedeutungstragenden Einheiten, die bis auf ein einzigesPhon identisch sind" definiert (Linke; Nussbaumer; Portmann: Studienbuch Linguistik, 2. Auflage, Tuebingen 1994, S. 427). Das bedeutet, dass nach ersterer Definition "mein - dein" kein Minimalpaar sind, nach letzterer Definition aber als ein solches gelten. Welche Definition ist richtig, nach welcher sollte ich mich z.B. in UEbungsaufgaben oder Klausuren richten?
In Reply to Karola Pitsch: From gibbon@spectrum.uni-bielefeld.de Thu Nov 16 18:15:56 1995 > Zu Ihrer Folie "Syntagmatische Relationen: phonologische Beispiele" > habe ich eine Frage. Was bedeuten die Abkuerzungen "Si", "An", "Re", > "Gi", "Ko" in dem dargestellten Modell? Ist es richtig, dass "C" und > "V" fuer Konsonant bzw. Vokal stehen? Ich habe das Modell nicht vorliegen (es gibt mehrere), aber folgendes d"urfte das Modell betreffen, da"s in dn Grundkursfolien abgebildet wird: Si=Silbe, An=Ansatz (die Konsonantensequenz am Anfang einer Silbe), Re=Reim(=Gipfel+Koda), Gi=Gipfel (=Vokal, wird auch Nucleus oder Kern genannt)), Ko=Koda (die Konsonantensequenz am Ende einer Silbe). > Eine weitere Frage habe ich zum Thema "Minimalpaar". In der Schule > wurden Minimalpaare so definiert, dass sich z.B. Konsonsanten nur in > einem Merkmal unterscheiden durften; also entweder in Artikulationsort > oder Artikulationsart oder der Stimmhaftigkeit. Dieses entspricht der > Definition aus dem Buch: > Bergmann, Rolf; Pauly, Peter: Neuhochdeutsch. Arbeitsbuch zum > linguistischen Unterricht, Goettingen 1971. > In meinen Begleitseminaren (Deutsch und Franzoesisch) wurden Minimalpaare > jetzt jedoch als "Paare von bedeutungstragenden Einheiten, die bis > auf ein einzigesPhon identisch sind" definiert (Linke; Nussbaumer; Portmann: > Studienbuch Linguistik, 2. Auflage, Tuebingen 1994, S. 427). > Das bedeutet, dass nach ersterer Definition "mein - dein" kein > Minimalpaar sind, nach letzterer Definition aber als ein solches > gelten. > Welche Definition ist richtig, nach welcher sollte ich mich z.B. in > UEbungsaufgaben oder Klausuren richten? Streng genommen gilt die Definition aus Ihrem Begleitseminar, da es sich lediglich um den Austausch von Phonemen handelt, egal welche innere Beschaffenheit sie haben; s. hierzu z.B. das Lexikon von Crystal, Def. von `minimal pair'. Allerdings kann eine verfeinerte Definition ebenfalls gerechtfertigt werden, in der der minmale Unterschied nicht f"ur ganze Phoneme/Sprachlaute gilt sondern f"ur einzelne Merkmale in den Sprachlauten. F"ur "Ubungsaufgaben, Klausur etc., m"u"ste klar gemacht werden, welche Definition Sie meinen. Wie gesagt, beide sind pr"azise und legitim. Ein Problem mit der feineren Definition ist die, da"s die Identifikation von Minimalpaaren durch Muttersprachler eigentlich als Verfahren zur Erstellung einer Phonembeschreibung verwendet wird. Aber w"ahrend ein Muttersprachler ohne weiteres Phonemunterschiede feststellen kann, ist er ohne Phonetikunterricht nicht in der Lage, die Phoneme in ihre distinktiven Merkmale zu zerlegen. <br>