Es gibt eine relativ ausgeprägte Intuition bei Sprechern des Deutschen oder des Englischen, daß die Hauptbetonung im Satz auf dem letzten Wort liegt und daß grammatische Wörter unbetont sind. Dies gilt natürlich nur, wenn besondere stilistische oder andere kontextuelle Bedingungen vorliegen. Die Intuition geht weiter: Der Eindruck entsteht, daß auch die anderen Wörter ähnlichen Bedingungen unterliegen, d.h. daß das letzte Wort in jeder Hauptkonstituente (nicht nur S, sondern auch NP usw.) stärker betont ist als die vorausgehenden Wörter in der Konstituente.
Dies führt zur Hypothese, daß die Betonungen nach diesen Prinzipien hierarchisch organisiert sind, weil die Konstituenten hierarchisch organisiert sind, nämlich als Syntaxbaum. Üblicherweise werden die Betonungsgrade als Ziffern angegeben, wobei 1 die stärkste Betonung bezeichnet und höhere Werte schwächere Stufen anzeigen.
Beispiele:
Es ist bekannt, daß dieses Modell nicht besonders tragfähig ist, dennoch ist es ein interessanter Ausgangapunkt für weitere Überlegungen.
Diese Regel wurde von Chomsky und Halle eingeführt und heißt Nuclear Stress Rule (NSR) nach einer traditionellen Bezeichnung für die Endbetonung eines Satzes: Nuclear Stress. Interessanterweise unterliegt die Betonungsverteilung innerhalb von Wörtern in etwa der umgekehrten Bedingung, d.h. die erste Konstituente in einem Wortes wird am stärksten betont; diese Regel heißt Compound Stress Rule (CSR) und wurde ebenfalls von Chomsky und Halle eingeführt.
Es handelt sich in beiden Fällen um eine Vorschrift für die Kodierung eines Baums in Zahlen; die Vorschrift ist auch umkehrbar, d.h. aus der Zahlenfolge kann der Baum wieder exakt rekonstruiert werden.