In den letzten Jahren ist das Bewustsein dafür gewachsen, das die schwindenden Ressourcen der Welt nicht nur aus materieller Sicht betrachtet werden müssen: Neben den mineralischen und biologischen Rohstoffen ist das kulturelle Erbe der Menschheit im Zuge zunehmender Globalisierungstendenzen in Wirtschaft, Politik und Kommunikation in einem Reduktionsprozess begriffen. Ein Teil davon betrifft die Sprachen der Welt, die zur Zeit noch mehrere Tausend zählen. Diese Zahlen schwinden jedoch rapide: In den nächsten Jahrzehnten werden viele davon aussterben.
Diese Sprachen aber, wie man aus theoretischen und deskriptiven Studien weis, sind extrem vielfältig in Funktion und Struktur, und bieten dadurch einmalige Einsichten in das soziale und kognitive Potential des Menschen, die mit dem Verschwinden der Sprachen nicht mehr rekonstruierbar sind.
In dieser projektartig organisierten Lehrveranstaltung werden wir uns eine Übersicht über die derzeitigen Bestrebungen verschaffen, diesen sprachlichen Reichtum anhand von Minderheitensprachen, insbesondere bedrohten Sprachen zu dokumentieren. Es wird besonderes Gewicht auf die Aneignung moderner Techniken für die Erstellung von Materialien für Sprachdatenbanken mit Texten, Transkriptionen, Grammatiken, Lexika gelegt. Da die Fähigkeiten der Teilnehmer voraussichtlich sehr gemischt sein werden (von Grundkenntnissen üblicher Software bis zu verschiedenen Programmiertechniken), sollten Teilnehmer schon Motivation und Stehvermögen mitbringen!
Das Seminar ist für alle interessierte Studierende, insbesondere der Computerlinguistik und Sprachtechnologie, offen.
Weitere Hinweise können zunächst auf den Web-Seiten früherer Veranstaltungen zu verwandten Themen wie Computerlinguistik und Morphologie, Lexikon gefunden werden.