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Sprachvariation und Sprachwandel

 

Sprachvariation

Sprachliche Äußerungen desselben Worts, Satzes, ... sind niemals gleich, weil:

[ Weitere Informationen über Variation im Englischen. ]

In dieser Variation liegt der Kern des Wandels:

Oft ist die Schriftsprache wie ein `Museum' für die Aussprache und die Grammatik vergangener Zeiten:

  1. die kleinen Veränderungen in der gesprochenen Sprache werden zwar kaum wahrgenommen,

  2. sie addieren sich aber im Laufe von wenigen Generationen zu größeren Änderungen,

  3. während die Schrift durch den Druck verschiedener gesellschaftlicher Faktoren etwa gleich bleibt,

... daher unter anderem das wiederholt auftretende Bedürfnis nach Rechtschreibreform.

 

Der sprachliche `Variationsraum'

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Sprachwandel

Mit dem Sprachwandel befaßt sich die historische Sprachwissenschaft, zu der allerdings viele Bereiche der deskriptiven und theoretischen Sprachwissenschaft beigetragen haben (vor allem strukturalistische und generative Theorien).

Wichtige Begriffe in der historischen Sprachwissenschaft sind:

 

Sprachvariation und Sprachwandel

Durch die Einwirkung gesellschaftlicher und individueller Faktoren auf die Benutzer von Sprachzeichen ändert sich jede Sprache von Generation zu Generation.

Im täglichen Leben spricht auch jeder Benutzer von sprachlichen Zeichen anders, je nach Situation:

In einer schriftlichen Antwort auf eine Stellenanzeige äußert man in Wortwahl, Satzbau, Ausdrucksmedium (visuell nicht akustisch) anders als im engsten Freundeskreis oder in der Familie.

Folgende Aspekte ändern sich am auffälligsten:

 

Sprachwandel: zur Definition

Sprachwandel = Wandel von Eigenschaften sprachlicher Zeichen

Es können sich demnach ändern ...

  1. Strukturen auf Wort, Satz, Textebene usw.,

  2. Bedeutungen und Sprachgebrauchskonventionen auf den verschiedenen Ebenen (semantischer Wandel, Bedeutungswandel),

  3. Aussprachen auf den verschiedenen Ebenen (Lautwandel),

  4. Orthographie, Interpunktion, Umbruch- und Seitengestaltungskonventionen.

... an verschiedenen Orten im `Sprachvariationsraum'.

 

Beispiel: ``Sternchen''

Wortform = ``Sternchen'' (Orthographie)
= /tex2html_wrap_inline4174/ (IPA-Lautschrift)
= /StErnC@n/ (SAMPA computerlesbare Lautschrift)
Wortbedeutung = `*'
 

Sprachwandel und Ähnlichkeiten

Ähnlichkeitstypen:

  1. historische (genetische) Verwandtschaft,

  2. gegenseitige Beeinflussung, Entlehnung,

  3. typologische Ähnlichkeit aufgrund von sprachlichen Universalien,

  4. Zufall.

 

Beispiel - Zufall oder Einfluß?

Quelle: Fromkin & Rodman, p. 226.

Algonquianisch Gälisch
bhanem ban ``Frau''
alnoba allaban ``Person'', ``Einwanderer''
llab lion-obhair ``Netz''
odana dun ``Stadt''
na'lwiwi na h-huile ``überall''
kladen claden ``Frost'', ``Schneflocke''
pados bata ``Boot''
monaden monadh ``Berg''
aden ard ``Höhe''
cuiche cuithe ``Schlucht''

Probleme:

  1. Handelt es sich um Beweise für die Verwandtschaft der Sprachen?

  2. Könnten die Ähnlichkeiten Zufall sein?

  3. Könnten die Wörter Entlehnungen zwischen den beiden Sprachgemeinschaften sein?

  4. Was bräuchte man sonst an Evidenz, um eine historische Verwandtschaft zu beweisen?

Eine Untersuchungsmethode: Wortlistenvergleich, Lexikostatistik:

``Swadesh-Wortliste'', ca. 200 Wörter.

 

Typologische Verwandtschaften

Alle Sprachen haben ...

Im Detail variieren Sprachen aber enorm:

 

Synchronie und Diachronie

Die synchrone Sprachbeschreibung betrachtet einen `Schnappschuß' einer Sprache zu einer bestimmten Zeit.

Die diachrone Sprachbeschreibung betrachtet die Entwicklung der Sprache in der Zeit -- die historische Sprachwissenschaft / historische Linguistik.

Aber:

 

Problem: Geschichte der deutschen Standardsprache

Gibt es klare Sprünge in der Entwicklung, d.h. ``Sprachstufen'', oder eher kontinuierliche Entwicklung?

 

Sprachfamilien

Gruppen von Sprachen, die

  1. phonetische,

  2. strukturelle,

  3. semantische,

  4. geographisch plausible,

  5. zeitlich plausible Ähnlichkeiten aufweisen,

 

Die Indo-Europäische Sprachfamilie

Die am besten dokumentierte Sprachfamilie ist die Into-Europäische Sprachgruppe.

Eine verkürzte Übersicht der Stammbaumdarstellung:

Feinere Unterteilungen können beschrieben werden, z.B. Germanisch:

  1. Ostgermanisch: gotisch ... alle ausgestorben -- erste germanisches Kulturdokument (Bibelübersetzung von Wulfila/Ulfilas)

  2. Nordgermanisch: Isländisch, Norwegisch, Schwedisch, Dänisch (erste germanische Inschrift:
    EK HLEWAGASTIZ HAURNA TAWIDO

  3. Westgermanisch: Deutsch, Englisch, Friesisch, Niederländisch

 

Sprache und Kultur - Indogermanisch

  1. Hypothetische, rekonstruierte Formen:

  2. Möglich aber kontrovers:

  3. ... und ca. 40 mal früher: die Theorie der ``afrikanischen Eval''?

 

Wichtige Unterscheidungen

 

Weitere Sprachfamilien

 

Die komparative Methode und die Lautgesetze

Grimm'sches Gesetz (Germanische Lautverschiebung):

1. Deaspiration: *bh *dh *gh tex2html_wrap_inline4176 *b *d *g Buche
2. Verhärtung: *b *d *g tex2html_wrap_inline4176 *p *t *k ten
3. Frikativierung: *p *t *k tex2html_wrap_inline4176 *f *tex2html_wrap_inline4182 *h Vater

Sonderfälle:

  1. st: stare - stand

  2. Verner'sches Gesetz:
    Warum: Latein pater--frater, Deusch Vater--Bruder
    Zwischen Vokalen werden Frikative stimmhaft (weich)
    außer, wenn Betonung unmitelbar vorher.

Hochdeutsche Lautverschiebung:

C V C
p tex2html_wrap_inline4176 pf f
t tex2html_wrap_inline4176 ts s
k tex2html_wrap_inline4176 k (kx) x/ç
 

Ursachen des Sprachwandels

 

Pidgin- und Kreolsprachen


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© Dafydd Gibbon Thu Jun 25 08:00:45 MET DST 1998