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Semantik -- Wortsemantik

Die Wortsemantik ist

 

Definitionen

Eine Definition ist eine Beschreibung der Bedeutung eines Worts anhand eines bekannten verbalen oder situativen Kontexts. Die Definitionslehre ist ein wichtiger Teil der Lexikologie, der Lexikographie sowie der Terminologielehre, aber auch im Mittelpunkt der linguistischen und logischen Semantik.gif

Definitionen gibt es in vielen Varianten; einige geläufige sind:

Einige wichtige Unterscheidungen bestehen zwischen den intensionalen Definitionen und den extensionalen Definitionen, d.h. in den Fregeschen Kategorien zwischen den Definitionen, die auf Sinn beruhen, und den Definitionen die auf Bedeutung beruhen.

 

Semantische Komponenten

Einen klassischer Bereich, der sich für die Komponentenanalyse eignet, stellen die Verwandschaftsbezeichnungen dar. Bei Verwandschaftsbezeichnungen handelt es sich um relationale Komponenten, obwohl dies manchmal in der Literatur nicht klar wird:

m männlich
w weiblich
e eltern
Vater(x,y) e(x,y) & m(x)
Mutter(x,y) e(x,y) & w(x)
Kind(x,y) e(y,x)
Sohn(x,y) e(y,x) & m(x)
Tochter(x,y) e(y,x) & w(x)
Bruder(x,y) e(y,x) & e(y,z) & m(x)
Schwester(x,y) e(y,x) & e(y,z) & w(x)
Onkel(x,y) ...
Tante(x,y) ...
Cousin(x,y) ...
Cousine(x,y) ...
Großvater(x,y) e(x,z) & e(z,y) & m(x)
Enkel(x,y) ...
Großenkeltochter(x,y) ...

Versuchen Sie, weitere Verwandschaftsgrade zu definieren!

 

Semantische Felder

Wörter können aufgrund paradigmatischer oder syntagmatischer semantischer Relationen zu Feldern gruppiert werden.

Die traditionelle Bezeichnung Feld kann für die meisten Zwecke schlicht durch die Bezeichnung `Menge' oder `Struktur' ersetzt werden, da `Feld' nicht in nennenswertem Zusammenhang mit Terminologien wie etwa `magnetisches Feld' steht, in denen es um kontinuierliche kausale Eigenschaften von Räumen geht. Die traditionelle Bezeichnung wurde bereits in den 20er und 30er Jahren eingeführt, bevor der Nutzen der Mengenlehre außerhalb der Mathematik erkannt worden war; wir übernehmen ihn als Synonym für `Menge'.

 

Paradigmatische Felder

Typische paradigmatische Wortfelder sind um einen Oberbegroff als seine Unterbegriffe gruppiert:

Wortfeld Möbel:
Stuhl, Tisch, Schrank, ...
Wortfeld Demokratie:
Wahl, Vertretung, Parlament, ...

Es hat im Laufe der Geschichte der Linguistik verschiedene Auffassungen über die Strukturierung von Wortfeldern gegeben; eine verbreitete Auffassung ist aber, daß Wortfelder andere Wortfelder überlappen können, und insbesondere in anderen Wortfeldern enthalten sein können.

Im Diagramm sind die Felder `Hunde' und `Katzen' jeweils im Feld `Tiere' enthalten, und zueinander disjunkt.

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Aus die Mengenrelation des Enthaltenseins kann auch geschlossen werden, daß eine Implikationsrelation besteht:

Für alle x, wenn x ein Hund ist, dann ist x ein Tier. tex2html_wrap_inline4482

Paradigmatische Wortfelder, die in anderen paradigmatischen Wortfeldern als Teilmengen enthalten sind, können als Taxonomie (Begriffshierarchie) beschrieben werden.

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Eine Relation, die nicht hierarchisch ist, stellt die Kreuzklassifikation dar. Die beiden Felder `Männliche' und `Weibliche' sind zueinander disjunkt und überlappen alle anderen Felder, enthalten sie aber nicht und sind nicht in ihnen enthalten.

Das Diagramm enthält zwei Partitionen, d.h. Mengen, deren Teilmengen alle paarweise zueinander disjunkt sind. Solche Partitionen sind in der Linguistik -- nicht nur in der Semantik -- sehr wichtig und bilden die Basis für die Beschreibung von Mengen (bzw. Feldern) auf der Basis von Attribut-Wert-Paaren.

 

Syntagmatische Felder

Typische syntagmatische Wortfelder sind durch Teil-Ganzes-Relationen in Situationen konstituiert und durch syntaktische Teil-Ganzes-Relationen als Kollokationen ausgedrückt werden:

Käufer(w) -- kaufen -- Verkäufer(x) -- Ware(y) -- Preis(z)
Fußballer(x) -- treten -- Ball(y) -- Fuß-von(x)

Interessanterweise können Teil-Ganzes-Relationen zwischen Objekten und ihren Teilen durchaus als Kriterium für paradigmatische semantische Wortfelder gelten:
Stuhl: Rückenlehne, Armlehne, Sitzfläche, Bezug, Beine, ...

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Syntagmatische Wortfelder, die Teile anderer syntagmatischer Wortfelder sind, können als Mereonomien (manchmal als Meronomien bezeichnet) beschrieben werden.

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Semantische Relationen

Eine Verallgemeinerung des Begriffs des semantischen Felds stellt der Begriff der semantischen Relation dar, z.B. Synonymie, Antonymie, Hyponymie, die Wörter paarweise miteinander in Beziehung setzen (binäre Relationen).

In der Mengenlehre werden binäre Relationen als Mengen von Paaren beschrieben.

Einfaches Beispiel:
Die Relation VERHEIRATET gleicht der Menge der verheirateten Paare.
Natürlich ist dies keine Begriffsdefinition bzw. keine intensionale Definition und soll diese auch nicht sein, sondern eine extensionale Definition.

 

Paradigmatische Sinnrelationen

Sinnrelation Art der Felddefinition
Oberbegriff, Hyperonym Vereinigungsmenge mehrerer kleinerer Mengen
Möbel
Unterbegriff, Hyponym Menge lexikalischer Einheiten mit gleichem Oberbegriff
Stuhl, Tisch
Kohyponyme:
-- Synonyme Menge gleichbedeutender lexikalischer Einheiten
-- Antonyme nicht überlappende, durch Hyponyme definierte Mengen
 

Syntagmatische Sinnrelationen

Beispiel Sinnrelation
Stuhlbein Ganzes-Teil
Schraubenzieher Gegenstand-Instrument
Milchmädchen Gegenstand-Agens

Der Zweig der Logik, der sich mit den Relationen von Teilen und Ganzen befaßt, heißt Mereologie.

 

Hyponymie, Synonymie, Antonymie

Hyponymie (Relation zwischen Unterbegriffen und Oberbegriffen) stellt die Grundlage der klassischen paradigmatischen semantischen Relationen dar.

Der Oberbegriff heißt Hyperonym.

Gemeinsame Unterbegriffe eines Oberbegriffs heißen Kohyponyme.

Unter den Kohyponymen bestehen weitere Relationen:

Synonymie:
Relation der Bedeutungsgleichheit: Es ist zweifelhaft, ob die Relation der absoluten Synonymie belegt werden kann.

Antonymie:
Relation der Bedeutungsverschiedenheit:
 

Ambiguität und verwandte Form-Bedeutungs-Relationen

 

Gruppenvokabular, Allgemeinvokabular

 

Denotative Bedeutung vs. konnotative Bedeutung

Denotative Synonyme, konnotative Antonyme:

 

Euphemismen, Koseformen, Schimpfwörter

Wertende Bedeutungen können mit positiven oder negativen Konnotationen versehen sein, was durchaus in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich sein kann.

Ein kleiner Test:

Kreuzen Sie für jedes Wort an, wie Sie es beurteilen:

     schlecht      eher schlecht       neutral            eher gut               gut         
Macht          
Harmonie          
Ehrgeiz          
Ironie          
Politik          
Gespräch          
Geld          
Ambition          
Sex          
Aufstehen          
Scheiße          
Kaffee          
Arsch          
Fußball          
Hintern          

Bitte notieren Sie auch:

 

Tabuformen

Die Tabuwörter sind ein Spezialfall der Wörter mit ausgeprägter konnotativer Bedeutung, die entlang einer Konnotationsskala etwa folgender Art eingeordnet werden können:

verroht-intim-informell-formell-technisch

Bei allen Tabuwörtern ist zu fragen, um welche Art von Tabu es sich handelt:

Beispiele:
English:
Fachbegriff Tabuformen Euphemismen / Koseformen
penis cock, prick willy, family jewels
vagina cunt, hole pussy
mammary glands tits breasts, bosom
penetration, sexual intercourse fuck, shaft, screw sleep with, make love
Fachbegriff Tabuformen Euphemismen / Koseformen
Deutsch:
penis (männliches) Glied Schwanz, Ding Pimmelmann, Schniedelwutz
vagina, Scheide Fotze, Möse Muschi
Mamm-(ographie) Titten Brüste, Busen
Penetration ficken, vögeln, bumsen Geschlechtsverkehr, Beischlaf


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© Dafydd Gibbon Thu Jun 25 08:00:45 MET DST 1998