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Satzsyntax: Komplexe Sätze

Die Anzahl komplexer Sätze ist prinzipiell unendlich. Beschränkungen ergeben sich lediglich aus den praktischen Zusammenhängen des menschlichen Handelns im Besonderen und der Endlichkeit des Daseins im Allgemeinen.

Komplexe Sätze werden mit den bereits eingeführten rekursiven Regeln definiert.

 

Rekursion

Rekursion, d.h. die Wiederholung einer Struktur als Teil von sich selbst, ist aus der Computerkunst und der Mathematik recht bekannt, z.B. in der Form von fraktalen Strukturen, zu denen die Figur der Mandelbrotmengegif, die oft in fraktalen Bildern zu sehen sind:

tex2html_wrap4416

(found at this site). For more examples, search with AltaVista.

 

Fraktale Modelle der Natur

Fraktale werden manchmal als Modelle für die Beschreibung von Strukturen in der Natur genommen:

 

Quasi-fraktale Modelle von Sätzen

Eine Struktur, die den selbstwiederholdenen Charakter der Fraktale hat, ist im Baumdiagramm für den Satz This is the dog that chased the cat that killed the rat that lived in the house that Jack built. dargestellt:

tex2html_wrap4418

In der Linguistik werden zwei Arten der Rekursion als zentral angesehen, von denen beide für die Beschreibung von komplexen Sätzen in Frage kommen:

 

Rekursive Regeln

Eine rekursive Satzdefinition hat im wesentlichen drei Teildefinitionen:

  1. Grundbedingung: Definition der einfachen Einheiten.

  2. Rekursionsbedingung: Definition zusammengesetzter Einheiten.

  3. Ausschlußbedingung: Ausschluß nichtdefinierter Einheiten.

Die ersten beiden Bedingungen definieren alle Sätze einer Sprache, die letzte Bedingung stellt klar, daß nur die Sätze der Sprache definiert werden.

Ein einfaches Beispiel wurde bereits angeführt:

  1. `Jack screams' ist ein Satz,
    `Jill shouts' ist ein Satz.

  2. Ein Satz verkettet mit `and', verkettet mit einem weiteren Satz ist ein Satz. Konsequenz: auch dieser Satz kann nochmal mit `and' sowie bereits definierten Sätzen verkettet werden, usw.

  3. Sonst ist nichts ein Satz.

In Phrasenstrukturregeln (konventionellerweise wird die Ausschlußbedingung nicht mitgeschrieben):

S tex2html_wrap_inline4176 Jack screams.
S tex2html_wrap_inline4176 Jill shouts.
S tex2html_wrap_inline4176 S and S.

Diese Formulierung erfaßt nicht die Details der einzelnen Bestandteile, aber mit ihr können doch schon unendlich viele -- wenn auch langweilige -- Regeln definiert werden.

Diese können am Beispiel des komplexeren Satzes illustriert werden, in dem keine Koordination sondern Subordination als rekursiver Mechanismus vorkommt:

this is the dog that chased the cat that killed the rat that lived in the house that Jack built.

S tex2html_wrap_inline4176 NP VP
NP tex2html_wrap_inline4176 PN
NP tex2html_wrap_inline4176 DET N
NP tex2html_wrap_inline4176 DET N RelS
RelS tex2html_wrap_inline4176 that S
VP tex2html_wrap_inline4176 V
VP tex2html_wrap_inline4176 V NP
VP tex2html_wrap_inline4176 V PP
PP tex2html_wrap_inline4176 P NP
PN tex2html_wrap_inline4176 this, Jack
N tex2html_wrap_inline4176 dog, cat, rat, house
DET tex2html_wrap_inline4176 the
P tex2html_wrap_inline4176 in
V tex2html_wrap_inline4176 is, chased, killed, lived, built

Zur Diskussion:

  1. Welche ist die rekursive Regel?

  2. Welche andere Arten der rekursion könnten noch hinzugefügt werden?

  3. Werden durch diese Grammatik wirklich nur akzeptable englische Sätze definiert? Wie kann dieses Problem behandelt werden?

 

Koordination

Koordination kann im Prinzip als Iteration angesehen werden, wobei die Bedingung der Kategoriengleichheit eingehalten werden muß:

 

Subordination

 

Satzsyntax: Weitere Diskussionspunkte


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© Dafydd Gibbon Thu Jun 25 08:00:45 MET DST 1998