next up previous
Next: Literatur Up: Dafydd GibbonFormale Methoden Previous: StandardannahmenÜberschreibung, Default-Unifikation, Default-Vererbung

Eine AWM-basierte Grammatiktheorie: HPSG

Ziele der HPSG

Die HPSG (Head-Driven Phrase Structure Grammar ist eine Grammatiktheorie, die in den letzten 20 Jahren vor allem an der Universität Stanford, Kalifornien, von Ivan Sag mit verschiedenen KollegInnen entwickelt wurde (s. Literaturliste).

Hauptziel einer Grammatiktheorie ist es, die grammatischen Strukturen der Sprachen der Welt anhand von Annahmen über mögliche grammatische Strukturen und empirischer Überprüfung dieser Annahmen durch Analyse verschiedener natürlicher Sprachen. Weitergehende Ziele sind die Aufdeckung des menschlichen kognitiven Potentials, indem die Möglichkeiten und Grenzen der grammatischen Strukturbildung untersucht werden, sowie die Formalisierung von Grammatiken, unter anderem um sie anhand von operationalen Computermodellen auf Konsistenz zu testen.

Eine verwandte Grammatiktheorie ist die LFG, Lexical Functional Grammar, die ebenfalls an der Stanford University von Joan Bresnan und Ron Kaplan in den letzten 20 Jahren entwickelt wurde (s. Literaturliste, vor allem die Arbeiten von Bresnan sowie von Butt & al.).

Relevanz für den Bereich Formale Methoden

Eine Grammatiktheorie enthält folgende Komponenten:

  1. Formalismus, z.B. formale Grammatik, Aussagen- und Prädikatenlogik, Attribut-Wert-Logik, mit der einzelne Grammatiken definert werden können.
  2. Syntax für den Formalismus, mit dem Axiome und Theoreme im Formalismus definert werden können. In AW-Grammatiken sind diese z.B. die Regeln und die mit ihnen abgeleiteten AW-Strukturen.
  3. Regeln für die Ableitung komplexer Strukturen mit dem Formalismus. In AW-Grammatiken ist die zentrale Regel typischerweise die Unifikation von AW-Strukturen.
  4. Notation für den Formalismus (z.B. die bereits eingeführte AWM-Notation). In AW-Grammatiken können verschiedene äquivalente Notationen für die Klammerungen, die AW-Relation (":", "=", usw.), die Index-Notation, verwendet werden.
  5. Formales Modell bzw. denotationelle Semantik für die Semantik, z.B. die mengentheoretische Interpretation von AW-Strukturen als Partitionen, Eigenschaften usw.
  6. Informelles Modell, um das formale Modell auf natürlichsprachliche Objekte und ihre syntagmatischen und paradigmatischen Relationen abzubilden.
  7. Konventionen, um verschiedene Grammatiken usw., die in der Grammatiktheorie zu bewerten und zu vergleichen.

Die HPSG hat alle Komponenten, außer der Letzten. Der AW-Formalismus und Operationen wurden bereits eingeführt, in diesem Kontext ist aber nur die Notation von Interesse, zusammen mit einigen wenigen Erweiterungen, die in den verschiedenen Teilen der Grammatik verwendet wird. Dies betrifft im Wesentlichen die HPSG-Syntax und das HPSG-Lexikon.

Die HPSG-Notation

In diesem Teil wird eine Version der HPSG-Notation vorgestellt, die nicht im Einführungsbuch Syntactic Theory. A Formal Introduction von Sag & Wasow (s. Literaturliste) verwendet wird.

Der wichtigste Unterschied zur bisher eingeführten AWM-Notation ist die Typisierung von AW-Strukturen, d.h. die Zuordnung von AW-Strukturen zu einem Typ.

Der Typ kann interpretiert als Menge von Objekten interpretiert werden, die die Eigenschaften haben, die durch die AW-Paare in der AW-Struktur ausgedrückt werden.

Die AW-Strukturen

tex2html_wrap_inline4987

tex2html_wrap_inline4989

tex2html_wrap_inline4991

können Objekte repräsentieren wie intransitive, transitive und ditransitive Verben:

intransitiv:
schreien, sterben, ...
transitiv:
berühren, ...
ditransitiv:
nennen, ...

Zur Diskussion:

Welche anderen Verbklassen müssten so eingeführt werden (mit Beispielen)?

Das Lexikon

Eine weitere Notationsänderung befindet sich im Lexikon. Ein Lexikoneintrag in HPSG sieht z.B. so aus:

tex2html_wrap_inline4993

Der Eintrag wird als geordnetes Paar, interpretiert als <Form,Eigenschaften>, ausgedrückt: bird, und eine AW-Struktur.

Grammatikregeln

VP mit intransitivem Verb:

tex2html_wrap_inline4997 tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline5001

VP mit transitivem Verb:

tex2html_wrap_inline4997 tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline5007 NP

VP mit ditransitivem Verb:

tex2html_wrap_inline4997 tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline5013 NP NP

VP mit Präpositionalkomplementen:

tex2html_wrap_inline4997 tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline4997 PP[...]

Wenn Sie mich fragen, ...

... braucht man diese zusätzlichen Notationselemente nicht. Wie diese Elemente einfacher formulieren kann, haben Sie schon im Lexikonabschnitt gesehen. Zugegeben, die etwas variationsreiche Notation kann übersichtlicher, also praktischer sein.

Zur Diskussion:

  1. Wie können Typen, Lexikoneinträge und Regeln als einfache Attribut-Wert-Paare vereinfacht werden?
  2. Wie kann die PP-Iteration mit einem einfachen regulären Ausdruck eleganter ausgedrückt werden?

Eine allgemeine Regel für Konjunktionen

tex2html_wrap_inline5037

Zur Diskussion:

  1. Wie ist diese Regel zu interpretieren?
  2. Wie kann man die Plausibilität dieser Regel anhand von weiteren Beispielen, die zeigen, was mit Konjunktionen verbunden werden kann und was nicht?

Die Mini-Grammatik tex2html_wrap_inline5045, mit Lexikon, von Sag & Wasow p. 72f.

Die Indizierung einer AWS mit H kennzeichnet eine Regel, die headed rule genannt wird.gif Dies bedeutet, dass ein Element der RHS der Regel als Kopf bezeichnet wird und

  1. ein obligatorisches Element ist
  2. und mit dem "HEAD"-Wert des LHS-Typs unifizieren muss.
    Bei Sag & Wasow heißt dies, dass der Kopfwert der Mutter (LHS) mit dem Kopfwert der Tochter (RHS) unifizieren muss.

Die bisherige Formulierung der Grammatikregel

tex2html_wrap_inline4997 tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline5001

wird durch dieses allgemeine Prinzip abgekürzt als

tex2html_wrap_inline5053 tex2html_wrap_inline4999 H tex2html_wrap_inline5057

Das Abkürzungsprinzip heißt Head Feature Principle. Von dieser Bezeichnung kommt auch der Name HPSG, Head-Driven Phrase Structure Grammar.gif

S tex2html_wrap_inline4999 tex2html_wrap_inline5061

tex2html_wrap_inline5063

tex2html_wrap_inline5065 tex2html_wrap_inline4999 H tex2html_wrap_inline5057

tex2html_wrap_inline5065 tex2html_wrap_inline4999 H tex2html_wrap_inline5075 NP

tex2html_wrap_inline5065 tex2html_wrap_inline4999 H tex2html_wrap_inline5081 NP NP

tex2html_wrap_inline5083

tex2html_wrap_inline5085

Zur Diskussion:

Wie wird der einfache Satz they sing mit dieser Grammatik abgeleitet?

HPSG-spezifische grammatiktheoretische Erweiterungen

Weitere Eigenschaften des HPSG-Formalismus, z.B.

werden hier nicht behandelt.


next up previous
Next: Literatur Up: Dafydd GibbonFormale Methoden Previous: StandardannahmenÜberschreibung, Default-Unifikation, Default-Vererbung

Dafydd Gibbon, Thu Jul 3 20:58:05 MEST 2003 Automatically generated, links may change - update every session.